Reisebericht: Münster on Patrol

Mit „Münster on Patrol“ wurde nach längerer, pandemiebedingter Pause wieder ein internationales IPA Zusammentreffen durchgeführt, an dem IPA Mitglieder und Kollegen aus den Partnerstädten Enschede, Orléans, Rishon le-Zion und York, sowie aus Finnland teilnahmen. Durch die IPA Österreichische Sektion wurden mit Richard Piber (SPK Schwechat) und Valentin Tunner-Turrach (BKA Wien) ebenfalls zwei Kollegen entsendet, um an diesem 4-tägigen Netzwerktreffen der Sektion Münster teilzunehmen. Dabei stehen gegenseitiges Kennenlernen und das Verständnis für Kollegen anderer Nationen im Vordergrund: wie geht das Nachbarland mit schwierigen Lagen um? Wie werden Fälle durch Kollegen gelöst, welche Möglichkeiten und Alternativen gibt es noch, an die man selbst vielleicht noch nicht gedacht hat? Netzwerktreffen wie „Münster on Patrol“ dienen dem Gedankenaustausch für genau diese Themen und soll auch in den kommenden Jahren als Fixpunkt im IPA Veranstaltungskalender fortgeführt werden.

IPA Münster-Sprecher Philipp Kurz: „Mit „Münster on Patrol“ möchten wir die Kontakte zwischen den Polizeiinspektionen europaweit noch intensiver gestalten. Durch diese gegenseitigen Treffen soll künftig der Austausch mit den Partnerstädten von Münster auf regelmäßiger Basis stattfinden. Wir wollen voneinander lernen – und dafür sind diese Treffen Grundvoraussetzung und auch ein bisschen das Salz in der Suppe, speziell nach der langen, pandemiebedingten Pause.“

Neben Erfahrungsaustausch und dem Knüpfen neuer Kontakte stand auch eine Vorstellung der IPA bei den neuen Anwärtern für den Beruf des Kommissars an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen auf dem Programm.

Im Nachfolgenden ein Rückblick über die Teilnahme von Richard Piber & Valentin Tunner-Turrach an „Münster on Patrol“, zusammengefasst von Redakteurin Anna-Susanne Paar:

Tag 1 – 02. September 2021

Der erste Tag bedeutet vor allem einmal: ankommen, kennen lernen, Kontakte herstellen. Nach der Ankunft am Flughafen Münster-Osnabrück wird Unterkunft in der örtlichen Polizeischule bezogen. Im Anschluss gibt es ein erstes Zusammentreffen der Gruppe und der Zeitplan für die kommenden Tage wird vorgestellt. Das gemeinsame Abendessen bietet Gelegenheit zum gemeinsamen Austausch – es ist immer wieder interessant zu erfahren, wie die Polizeiarbeit in anderen europäischen Ländern aussieht, wo es Schnittpunkte gibt und bei welchen Themen sich die Ansichten zum Teil grundlegend unterscheiden. Die Freude auf die kommenden gemeinsamen Tage wächst.

Tag 2 – 03. September 2021

Am Freitag steht als erster Punkt ein Besuch der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen auf dem Programm. Dort wird der Begrüßung von 214 neuen Studenten durch Kriminaldirektor Keller, Leiter des Studienortes in Münster, beigewohnt. Keller erzählt über die Geschichte der Hochschule, die noch weitere zehn Standorte in Deutschland besitzt und allein in Münster rund 1.300 Studierenden Platz bietet. Davon sind rund die Hälfte im Fachbereich Polizei tätig und die anderen 50% dem Fachbereich Verwaltung sowie Allgemeine Rentenversicherung zugeteilt. Der Polizeilehrgang dauert drei Jahre und wird mit dem Titel “Bachelor of Arts” abgeschlossen. Auch interessant: mit rund 60.000 Studierenden gehört Münster zu den zehn größten Universitätsstädten Deutschlands.

Am eigens aufgebauten IPA Stand werden den Kommissaranwärtern Geschichte und Ziele der IPA nähergebracht – Dienen in Freundschaft wird gelebt und nimmt hier vielleicht bei dem einen oder anderen seinen Anfang. Am Nachmittag wird durch die Gruppe das Polizeipräsidium Münster besucht, wo Polizeipräsident Falk Schnabel, Oberhaupt von rund 1.500 Polizisten, die ersten Besucher seit der Pandemie herzlich willkommen heißt.

Es folgen eine Führung durch die wunderschöne Altstadt von Münster und ein abendlicher Besuch im Gasthaus Leve, mit über 400 Jahren die älteste Gaststätte in Münster. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dort zusätzlich eine sehr erfolgreiche Bierbrauerei in Betrieb genommen, welche bis zu Beginn des 1. Weltkrieges bestehen blieb. Nach dem Wiederaufbau Ende der 1960er Jahre wurde die mittlerweile als “Altes Gasthaus Leve” umbenannte Gaststätte durch zwei münstersche Architekten wieder aufgebaut und ist bis heute im Familienbetrieb geblieben. Dort findet der Tag seinen perfekten Ausklang mit allem, was in einer münsterschen Altbierschenke so dazugehört.

Tag 3 – 04. September 2021

Am Samstag ist das Programm wieder dicht gedrängt: nach einer Bustour durch die Stadt findet im Friedenssaal der Stadt Münster ein Empfang durch die Bürgermeisterin Angela Stähler statt. Neben Polizeipräsident Schnabel nahm auch Martin Bornträger, Präsident der Hochschule für Polizei und Verwaltung NRW und Leiter des Studienortes Münster, am Empfang teil. Als Höhepunkt verleiht der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, der IPA Veranstaltung “Münster on Patrol” mit seiner Anwesenheit einen besonderen Anstrich.

Am Nachmittag folgt der Besuch einer Dauerausstellung in der Villa ten Hompel: dieses Gebäude, das zu Zeiten des Nationalsozialismus als Sitz der Ordnungspolizei bekannt war und als Ort der Entnazifizierung im Nachkriegsdeutschland, bietet die perfekte Kulisse für Diskussionen, welche auch angeregt geführt werden. Nach dem etwas ernsteren Verlauf der letzten Stunden wird es noch einmal gemütlich mit einer Stadtführung. Münster ist seit dem Jahr 1915 eine Großstadt und hat 2014 erstmals die Höchstmarke von 300.000 bei der Einwohnerzahl überschritten. Auch interessant – und es fällt auf, wenn man durch die Stadt spaziert – Münster hat ein sehr “fahrradfreundliches” Straßennetz und ist auch als Fahrradstadt bekannt. Nebenbei ist Münster auch ein wichtiger Dienstleistungs- und Verwaltungsstandort, an dem sich für das Land Nordrhein-Westfalen bedeutende Gerichte und Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung befinden – unter anderem der Verfassungsgerichtshof und das Oberverwaltungsgericht. Als krönenden Abschluss wird die “Bermuda Spirit Company” besucht, um dort an einer Gin-Verkostung teilzunehmen und Münsters “exklusivstes Vodkaregal” zu bestaunen.

Tag 4 – 05. September 2021

Der Tag der Abreise. Letzte Telefonnummern werden ausgetauscht. Man verspricht, in Kontakt zu bleiben – die WhatsApp Gruppe gibt es ja bereits. Wenn es die Pandemie zulässt, folgt “Münster on Patrol 2022”. Die nächsten Teilnehmer stehen bereits in den Startlöchern für den neuen Austausch zwischen Partnerstädten und Nationen – ganz im Sinne der IPA.

Valentin Tunner-Turrach war erstmals bei einem internationalen Treffen der IPA dabei und bezeichnet den grenzüberschreitenden Gedankenaustausch als echte Bereicherung: “Ausbildung und Struktur der deutschen Polizei sind auf einem sehr hohen Level, hier können wir noch einiges lernen. Abgesehen davon ist Münster als Stadt wunderschön und ein echtes architektonisches Schmuckkästchen.”

“Münster on Patrol” ist mehr als ein Zusammentreffen unter Kollegen – es ist Netzwerken, Erfahrungsaustausch und gemütliches Beisammensein im Dienste der Freundschaft. Wir bedanken uns bei den Organisatoren, allen voran Philipp Kurz und seinem Team, und freuen uns auf das nächste Mal! Servo per Amikeco.

Gruppenfoto, Foto: IPA Münster
Valentin Tunner, Richard Piber, Foto: IPA Münster
Valentin Tunner, Martin Bornträger, Falk Schnabel, Richard Piber, Foto: IPA Münster
Valentin Tunner, Richard Piber, Foto: IPA Münster