Bericht: Konfliktfrei zwischen Religionen

Nach dem erfolgreichen ersten Termin im Oktober 2020 fand Anfang Juni im traumhaften Ambiente von Schloss Laubegg in der Steiermark die zweite Auflage des Seminars "Konfliktfrei zwischen Religionen" statt. An zwei Tagen hatten 15 Teilnehmer die Möglichkeit, der Frage auf den Grund zu gehen, ob der Titel des Seminars nur ein Traum ist, oder unter bestimmten Voraussetzungen auch in die Realität umgesetzt werden kann. Um dieses vielschichtige Thema entsprechend behandeln zu können, holte die IPAkademie fünf Referenten in die Steiermark: Dr. Bartosz Kujat, Dr. Lucian Reinfandt, DDr. Karl Trauner, Mag. Gregor Schwimbersky und Manuel Lesky, BA behandelten die Thematik aus unterschiedlichen Perspektiven und banden auch die Seminarteilnehmer entsprechend mit ein.

Den Beginn machte am ersten Tag Dr. Bartosz Kujat mit einem durchaus ungewöhnlichen Start. Der studierte Religionswissenschaftler sprach über die Entstehung des Universums vom Urknall bis zur Erde wie wir sie heute kennen. Damit sollte der wissenschaftliche Ansatz beleuchtet und jenem der Theologie gegenübergestellt werden: der Unterschied zwischen Religiosität (findet eher in der Gemeinschaft statt) und Spiritualität (betrifft mehr das Individuum) wurde dargestellt und im Anschluss die drei Hauptreligionen Christentum, Judentum und Islam in den Fokus genommen. Hier ging es zu Beginn um Religion als Institution, aber auch um den Begriff der sogenannten "Religionsstifter": meist sehr charismatische und überwiegend männliche Personen, die Religionen quasi "erschaffen" bzw. ins Leben rufen - im Unterschied zu den historisch gewachsenen Religionen.

Im Islam (Gottheit: Allah) gilt der Prophet Mohammed als Gesandter, der im Gegensatz zu Jesus jedoch keine Wunder vollbringt. Was für das Judentum die Tora (Fünf Bücher Mose) und für das Christentum die Bibel ist, ist im Islam der Koran: hier werden Mohammeds Taten und Handlungen in Form von Anekdoten und Gleichnissen wiedergegeben, welche als Richtlinie für das Verhalten der Islamgläubigen dienen sollen. Im Unterschied dazu findet man zwar im Alten und Neuen Testament auch Gleichnisse und Erzählungen aus dem Leben Jesu, jedoch gibt es auch die 10 Gebote und die Nächstenliebe als oberstes Gesetz.

Der Islam wird von den beiden Gruppierungen Schiiten und Sunniten geprägt. Während die Sunniten der Ansicht waren, dass der Prophet Mohammed keinen direkten Nachfolger bestimmt hatte und dieser daher gewählt werden sollte, vertraten die Schiiten die Meinung, dass das neue Oberhaupt des Islam (Kalif oder Imam) auf jeden Fall ein Nachfolger Mohammeds sein sollte. Eine Einigung in dieser Frage konnte bis heute nicht erreicht werden. Weltweit geht man von einer Anzahl von ca. 85% Sunniten und 15% Schiiten aus.

Am Folgetag (Thema: "Ist Gewalt menschlich?") begann Univ. Doz. DDr. Karl Trauner seinen Vortrag mit einem kurzen Einstiegstest und der Frage, ob der Mensch frei ist - oder nicht. Die Handlungsfreiheit des Menschen, der sogenannte Determinismus, war Thema für eine angeregte Diskussion zwischen den Seminarteilnehmern, ebenso wie die Frage, ober der Mensch von Natur aus böse ist, oder dies sich erst im Laufe seines Lebens und unter bestimmten Einflüssen entwickelt.

Der Nachmittag wurde durch Ing. Mag. Gregor Schwimbersky gestaltet. Der Militärkaplan (Militärpfarrer beim Militärkommando in St. Pölten/NÖ), der selbst nie beim Militär gewesen ist, präsentierte zu Beginn eine Landkarte mit der Verteilung der einzelnen Religionen weltweit. Im Anschluss mussten alle Teilnehmer notieren, wie bzw. auf welche Weise sie während der Arbeit/ihres Dienstes mit Religion in Berührung kommen. Schwerpunkt des Vortrages danach war Religiosität im öffentlichen Dienst und in diesem Zusammenhang der Umgang mit besonderen Vorschriften.

Dr. Lucian Reinfandt leitete den zweiten Teil an diesem Nachmittag mit der Frage ein, was Gedankenfreiheit bedeutet und ab wann man von der Entwicklung einer ideologischen Strömung sprechen kann. Wenn sich eine Personengruppe während einer Demonstration zwanglos trifft, stellt sich das anders dar als ein geplantes Zusammentreffen mit dem Ziel, staatsgefährdende Aktionen zu setzen. Zum aktuellen Lagebild in Österreich beschrieb er als die größte Gruppe von Nicht-Österreichern jene der Kurden und Türken, gefolgt von den Westbalkanländern. Vor allem die jüngste Generation würde dabei den Islam viel mehr zur Identitätsfindung nutzen, als die Generationen davor.

Am letzten Tag wurde durch den Referenten Manuel Lesky, BA der Begriff der Ethik jenen von Moral und Religion gegenübergestellt. Im Plenum wurden abschließend Möglichkeiten und Herausforderungen beim Einschreiten im exekutiven Außendienst und den ggf. damit verbundenen Konfrontationen mit unterschiedlichen Religionen diskutiert.

Ein Seminar am Puls der Zeit, hochaktuell gestaltet - Fortsetzung folgt aller Voraussicht nach in 2022.

Konfliktfrei zwischen Religionen
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Schloss Laubegg
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