Das Polizeimuseum der Slowakei

Der Fall des eisernen Vorhanges machte es möglich. Was früher als Staatsgeheimnis gehandelt und selbst Polizisten verborgen blieb, ist jetzt für jedermann museal zugänglich. Geschichte, Arbeitsweise und Gliederung der slowakischen Republik kann seit Mai 1992 im »Polizeimuseum« der Slowakischen Republik« in Preßburg besichtigt werden.

In 10 Räumen kann der in- und ausländische Besucher 772 Exponate, 380 Plandokumente und 312 Dokumentationen sehen. 26 verschiedene historische und aktuelle Kriminalfälle werden erklärt. 27 Uniformen und 58 Waffen ergänzen das Bild des Slowakischen Sicherheitswesens zwischen 1849 und dem heutigen Tag. Thematisch läßt sich das Museum in drei Themen ordnen:

1) historische Entwicklung,

2) aktueller Stand der Polizei in der Slowakei seit 1990 und

3) Kriminalistik.

Die bewegte Geschichte des Landes zeigt sich auch in der Entwicklung des Sicherheitssystems. »Panduren« waren die ersten Sicherheitsorgane im slowakischen Teil der K.u.K.-Monarchie, die 1849 die Sicherheit im Lande gewährleisteten. Die Panduren wurden nach dem Zerfall der Monarchie und dem Ende des 1. Weltkrieges von den »Cetnik« abgelöst. 1920 wurden zwei Polizeidirektionen und zwar in Bratislava (Preßburg) und Kosice gegründet. Eine Verkehrspolizei gibt es seit 1935. Sehr früh erkannte man Flugzeuge als Hilfsmittel der Polizei und gründete bereits am 1. 7. 1935 eine Luftfahrtpolizei. Ein Jahr später (1936) wurde der erste polizeiliche Notruf installiert und eine eigene Grenztruppe (Straz Obrany Statu) aufgestellt. Im ersten Slowakischen Staat (nach dem Einmarsch deutscher Truppen) kam es dann per 14. 3. 1939 zu einem neuerlichen Namenswechsel und zwar auf »Zandary«. Breiter Raum ist dem Slowakischen Nationalaufstand Ende 1944 - Anfang 1945 gewidmet. Bei der Niederschlagung durch deutsche Truppen kamen auch viele Polizisten, die sich an dem Aufstand beteiligt hatten, ums Leben. 1945 kam es nicht zur Gründung einer eigenen slowakischen Polizei, sondern wurde in der ganzen CSFR eine Einheitspolizei ins Leben gerufen. Die Namengebung erfolgte 1947 auf »Zbor Narodny Bezpecnosti (ZNR)«. 1947 kam es in der Ostslowakei zum Einfall bewaffneter krimineller Gruppen (UPA) aus Polen und der Ukraine, welche die Polizei vor gewaltige Aufgaben stellte. Nach den Februarereignissen 1948 wurde die Polizei im Sinne der totalitären Staatsideologie benützt. Jener Teil des Museum, der den aktuellen Stand der Polizei seit ihrer Abkoppelung vom tschechischen Teil der Republik zeigt braucht nicht näher erläutert zu werden. Vorgestellt werden die einzelnen Einheiten, ihre Aufgaben und natürlich ihre Erfolge. In diesem Teil gleichen sich Polizeimuseen in der ganzen Welt.

Für Polizisten ist dieser Teil natürlich besonders interessant, während der dritte Teil, der sich mit Kriminalität und ihrer Aufklärung befaßt auch für den Laien fesselnd sein dürfte.

Für Österreicher natürlich besonders packend der Mordfall am Ehepaar Widderhoven im Jahre 1990, der von Slowaken verübt und in der Slowakei aufgeklärt wurde. Daß gefälschte 1.000 Kronen-Scheine in Wien hergestellt wurden, zeigt ein zweiter dokumentierter Kriminalfall. Im letzten Teil der Ausstellung kann der Besucher seine Geldscheine selbst auf Echtheit überprüfen, einen Geschicklichkeitstest wie er bei der Aufnahme für Polizeibeamte vorgesehen ist, absolvieren und in einem Tatortzimmer Verbrechensspuren entdecken. Alles in allem: Wer in Pressburg ist und Zeit hat sollte das Slowakische Polizeimuseum in der Gundulicova ul. 2 besuchen.

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