IM VERBOTENEN KÖNIGREICH

Von Klaus HERBERT © 1997

Es ist wohl ein Erlebnis besonderer Art, wenn ein Urlauber gezählt und numeriert wird und dann als 334. von erlaubten 500 in das verbotene Königreich einreisen darf.

Der Tiroler LGO Wolfgang WIPPLER hatte das seltene Glück, an einer Expedition nach Mustang teilnehmen zu dürfen. Fernab der gewohnten Touristenstraßen erkundete er unter den Augen des gewissenhaften nepalesischen Begleitoffiziers Land und Leute. Die Trekkingtour führte nach der Ankunft in Kathmandu und dem Flug nach Jomosom zum Einstieg in das tiefste Tal der Erde, das Gandaki-Tal in Nepal. Nach sieben Tagen war Lo Mantang, die Hauptstadt Mustangs, erreicht. 3.500 m hoch gelegen, von 800 Menschen bewohnt und einer Stadtmauer umgeben. Fremde müssen draußen ihr Lager aufschlagen.

Der Reisende wird ans Mittelalter erinnert, wenn er sich umsieht. Es gibt kein Rad. Alles muß getragen werden. Elektrischer Strom ist ein Fremdwort, fließendes Wasser eine Utopie; aber das Bewässerungssystem für die Felder ausgeklügelt. Die Einheimischen sind offen, zugänglich und neugierig an allem, was der Wanderer mitbringt. Medizinische Betreuung ist unbekannt, aber die Leute sind glücklich und zufrieden.

POLIZEIKONTROLLE

Eine Tagesreise nach Lo Mantang erreicht man einen nepalesischen Polizeiposten, erkennbar vor allem am Wachbuch im Wachzimmer. Polizisten sind schwer identifizierbar, am ehesten erkennt man sie am olivgrünen Pullover oder Parka. Als Bewaffnung dient ein Stock oder Knüppel. Polizeiabordnungen führt ein Sergeant mit einem altertümlichen Revolver an. Ein weiterer Polizist in der Truppe trägt ein uraltes Gewehr.

Zurück zum Thema. Am Polizeiposten wird die um 100 USD erworbene Einreisebewilligung kontrolliert und im Wachbuch registriert. Erst dann darf man sich auf der vorgeschriebenen Route bewegen.

KINO IM SCHAFSTALL

Das Land ist einfach, die Leute sind ehrlich und hilfsbereit. Der Sirda, das ist der Trekkingführer, sorgt für einen reibungslosen Ablauf der Tour und kümmert sich um die Wünsche. Ein Kinobesuch gefällig? Die Wanderer trauten ihren Augen nicht. In einen dunklen Raum geführt, der an einen Schafstall erinnerte und auch so roch, trauten sie ihren Augen nicht. Da stand doch tatsächlich ein nagelneuer Fernseher samt Videorecorder. Nach 20minütiger eiserner Bemühung lief dann auch das Stromaggregat. Der stolze Filmvorführer zeigte einen indischen Heldenfilm, der alle paar Minuten von Werbung unterbrochen wurde. Wie muß das wohl auf Menschen wirken, die noch nicht einmal das Rad kennen?

Anerkennenswert ist, daß es keinen Wohlstandsmüll im Land gibt und die Trekker trifft fast der Schlag, wenn sie die Anapurna-Route in Nepal erreichen. Was sich dort angesammelt hat, muß wohl ein schlechtes Gewissen bereiten.

Falls es ein IPA-Mitglied nach Nepal zieht, ist ein Kontakt mit dem englischsprechenden dritthöchsten Polizeioffizier des Landes möglich: Rabi Ray THAPA; S.S.P. - C.I.D; Police Headquarters Naxal; Kathmandu, Nepal.

  

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