"COMMISSION INTERNATIONALE DE POLICE CRIMINELLE"

Gründung der INTERPOL

offizielles Interpol Emblem Bereits vor dem 1. Weltkrieg wurden von verschiedenen Staaten sogen. Polizeikongresse abgehalten. 1905 in Buenos Aires, 1909 in Madrid, 1912 in Sao Paulo, 1913 in Washington und 1914 in Monaco. Die Beschlüsse die gefaßt wurden, waren aber in der Praxis nicht durchführbar, da sie sich auf nationale Grundsätze und Wünsche beschränkten.

1. Internationaler Polizei-Kongreß in Wien:

Durch den 1. Weltkrieg sind die freundschaftlichen Beziehungen der Polizeibehörden abgebrochen. Im Jahre 1919 hatten der New Yorker Polizeipräsident Richard Enright und der Amsterdamer Polizeichef M.C. van Houten versucht die Beziehungen wieder aufzubauen und einen Kongreß ins Lebens zu rufen. Erst durch die Initiative des Polizeipräsidenten SCHOBER wurde im September 1923 der 1. internationale Polizei-Kongreß in Wien abgehalten.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie war Polizeipräsident DDDr. h.c. Johann SCHOBER eine herausragende und markante Persönlichkeit. Seine politisch umstrittene und vielfach kritisierte Person zeigte innerhalb der Polizei ein bemerkenswertes Engagement. Unter seiner Leitung war der öffentliche Sicherheitsdienst von einem starken sozialen Aspekt geprägt. SCHOBER verstand die polizeiliche Arbeit als Fürsorge am Bürger. Er war zweimal Bundeskanzler, später Vizekanzler und Außenminister der jungen Republik, seine Autorität ging über das normale Maß eines Polizeipräsidenten hinaus.

Dem für die Zeit von 3.9. bis 7.9.1923 in Wien anberaumten Polizeikongreß mit dem Namen "COMMISSION INTERNATIONALE DE POLICE CRIMINELLE" folgten Vertreter der Polizeibehörden von Ägypten, Dänemark, Deutsches Reich, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Jugoslawien, Lettland, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei, Türkei, Ungarn und die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

 

Die Themen der Tagesordnung:

  • energische Bekämpfung des internationalen Verbrechertums
  • Auslieferung der verhafteten Verbrecher, Durchführung der Ausweisung abgestrafter Verbrecher
  • Einführung einer internationalen Verkehrssprache der Polizei
  • Bekämpfung des Alkoholismus, Morphinismus und Kokainismus innerhalb des polizeilichen Wirkungskreises
  • Kriminalwissenschaften
Interpol Emblem

Durch die Kommission wurden folgende polizeilichen Einrichtungen geschaffen und Vorhaben verwirklicht:

  • eine internationale Zentrale zur Bekämpfung der Geldzeichenfälschung;
  • ein "Internationales Bureau" – Beschaffung eines internationalen Nachrichtendienstes über internationale Verbrecher;
  • eine internationale Zentralstelle zur Bekämpfung von Paßfälschungen;
  • eine eigene Publikation "Internationale Öffentliche Sicherheit", das gleichzeitig auch als internationales Fahndungsblatt in deutscher und französischer Sprache diente;
  • Festlegung eines internationalen Polizei-Telegraphenschlüssels sowie
  • Schaffung und Ausbau des internationalen Polizeifunkwesens.

Als Sitz der Kommission wurde Wien, und zum Präsidenten Polizeipräsident SCHOBER bestimmt. Ein paar Jahre später zählte die Kommission bereits 34 Mitgliedsstaaten.

Während des 2. Weltkrieges war die Einrichtung nicht mehr funktionsfähig. Im Jahre 1946 nahm die Organisation ihre Tätigkeit wieder auf und nannte sich nach einer Statutenänderung "INTERPOL". Dieser für die internationale Verbrechensbekämpfung bedeutenden, weltweiten Einrichtung und Vereinigung mit dem Sitz in Lyon/Frankreich gehören heute 176 Mitgliedsstaaten an.

Gerhard Salzinger, Verfasser des Artikels

Gerhard SALZINGER

(IPA-Mitglied der Landesgruppe Vorarlberg)

Quellenangaben:

Mag. Engelbert STEINWENDER -
Von der Stadtguardia zur Sicherheitswache;

Dr. Eduard HOCHENBICHLER -

Die Wiener Polizei - Portrait;

Dr. Oskar KLEINSCHMIED - Schober;

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