Grenzsicherung durch Bundesheer und Bundesgendarmerie WOLFGANG BACHKÖNIG IPA Landesgruppe Burgenland |
Als im Jahre 1989 die DDR zu zerfallen begann und die ersten Flüchtlinge über Ungarn nach Österreich kamen, waren wir eigentlich nicht besonders beunruhigt. Die Bundesrepublik Deutschland nahm die Menschen mit offenen Armen auf, und dem Staat entstanden keine wesentliche Kosten. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, daß man das Rad der Zeit nicht aufhalten kann. Die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa ging rascher voran als man sich vorstellen konnte. Mit dem Fall der Berliner Mauer zerbrach auch die Diktatur in Rumänien und nach der Hinrichtung Ceausescus versuchten besonders viele Bürger in den »Goldenen Westen« zu flüchten. Nun begann der Flüchtlingsstrom und unsere Regierung mußte bald erkennen, daß Gendarmerie und Zoll nicht das Personal hatten, um unsere Grenze entsprechend sichern zu können. Vorerst wurden Planstellen für die Grenzgendarmerie geschaffen und das Landesgendarmeriekommando begann in verschiedenen Außenstellen der Schulabteilung mit der Ausbildung der neuen Mitarbeiter. Als Sofortmaßnahme war der Einsatz des Bundesheeres geplant. Am 4. September 1990 stellte der Innenminister im Ministerrat den Antrag auf »Assistenzleistung« und bereits einen Tag später stand unser Heer an der Grenze. Der Einsatz wurde zunächst auf die Dauer von 10 Wochen genehmigt. Aber bald sah man, daß sich die Lage in Europa nicht ändert und der Flüchtlingsstrom eher zunimmt. Deshalb verlängerte der Ministerrat den Assistenzeinsatz um ein halbes Jahr, weil man annahm, daß dann die bereits ausgebildeten Grenzgendarmen diese Aufgabe übernehmen könnten. Dem war aber nicht so. Mittlerweile kamen die illegalen Grenzgänger nicht mehr alleine, sondern skrupellose Verbrecher begannen aus der Not der Ärmsten ein Geschäft zu machen. Schlepper suchten undichte Stellen an der Grenze und brachten ganze Personengruppen in unser Land. Man sah, daß ohne Bundesheer eine Grenzsicherung nicht möglich ist. Das Bundesheer blieb an der Grenze. Obwohl für den Aufbau einer Grenzschutztruppe bereits Planstellen genehmigt und am 2. Oktober 1995 mit der Ausbildung begonnen wurde, kann die Grenzsicherung durch diese Truppe allein nicht bewerkstelligt werden. Tatsache ist, daß die Zusammenarbeit zwischen BG, ZW und BH erfolgreich funktioniert. Während die Zollwache an den Grenzübergängen und im unmittelbar angrenzenden Raum kontrolliert, überwacht das Bundesheer die »Grüne Grenze«, die Grenz-Gendarmerie wird »in der Tiefe des Raumes« tätig. Wie gut gearbeitet wurde, kann man der Statistik entnehmen, denn Erfolge lassen sich bekanntlich in Zahlen ausdrücken. Seit Beginn des Assistenzeinsatzes versahen 102.000 Soldaten aus dem gesamten Bundesgebiet im Burgenland ihren Dienst. Bis dato wurden insgesamt 24.000 illegale Grenzgänger aus 86 verschiedenen Ländern aufgegriffen. 14.000 kamen aus Rumänien, 2700 aus dem ehemaligen Jugoslawien und etwa je 1000 aus der Türkei und Pakistan. Griff man zu Beginn des Einsatzes noch ca. 1000 illegale Grenzgänger pro Woche auf, so hat sich diese Zahl auf durchschnittlich 60 bis 70 Personen verringert. Wie aus diesen Zahlen zu ersehen ist, arbeiten Heer, die BG und die ZW mit vollem Einsatz und tragen wesentlich zum Sicherheitsgefühl unserer Bevölkerung bei. Wie gut die Soldaten in unserem Bundesland aufgenommen wurden und noch immer werden, zeigt das gute Verhältnis zu den Bewohnern der einzelnen Gemeinden. Nicht nur an den Feiertagen werden sie von den Leuten mit Kaffee und Mehlspeisen verwöhnt. Bei vielen Gelegenheiten werden die jungen Männer eingeladen, oder Leckerbissen werden einfach zur Truppe gebracht. Aber nicht nur die Soldaten, auch so manches Mädchen wird sich gerne an den Bundesheereinsatz zurückerinnern. Wie allseits bekannt, wurden schon Ehen geschlossen und mehrere junge Männer sind für immer im Burgenland geblieben. Natürlich gibt es nicht nur Lob, auch traurige Ereignisse sind zu berichten. Seit Beginn des Einsatzes hat es bereits einige tragische Zwischenfälle gegeben. Obwohl die Vorgesetzten sehr bemüht sind und wiederholt auf die Gefährlichkeit der Waffen hinweisen, wird dies von den jungen Soldaten offensichtlich unterschätzt. Erst am 10. 9. 1995 ereignete sich in Nickelsdorf ein schweres Unglück, bei dem ein Soldat durch die Leichtsinnigkeit eines Kameraden sein Leben verlor. Auch mit der Jägerschaft ist es anfangs zu geringfügigen Meinungsverschiedenheiten gekommen. Diese konnten mittlerweile durch Gespräche fast zur Gänze aus der Welt geschafft werden und man kann im guten Einvernehmen weiterarbeiten. Aber nicht in jedem politischen Lager findet der Einsatz seine Zustimmung. Dem muß aber entgegengehalten werden, daß das Burgenland immer eine »offene Tür« für Flüchtlinge gehabt hat. Wenn man sich nur an den Ungarnaufstand 1956 oder die Tschechenkrise 1968, bzw. an die Flüchtlingswelle aus der DDR im Jahre 1989 erinnert, so ist das ein eindeutiger Beweis für die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Wir Burgenländer sind jedenfalls mit »Unserem Heer« zufrieden und hoffen, daß unsere Grenzschutztruppe die gestellte Aufgabe in diesem Ausmaß zur Zufriedenheit unserer Bevölkerung und zur Sicherheit der Staatsgrenze erfüllen wird. |
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