Am Anfang stand ein Mord!

Ein Eifersuchtsmord zu Allerseelen 2014 in Klagenfurt erwies sich als tragisches Schlüsselerlebnis. Ein Mann erschießt seinen Kontrahenten in Anwesenheit seiner Ex-Partnerin. Im Zuge der erforderlichen Schutzmaßnahmen, denn der Täter war zuerst flüchtig, kommt die Frau, um die es gegangen ist, zu einem Polizisten und entschuldigt sich für den Aufwand mit der Erklärung: „Wenn ich ihn zurückgenommen hätte, wäre das nicht passiert!“

 

Der Polizist war Rainer Tripolt, stv. Leiter des Assistenzbereiches der Kriminalprävention beim LKA Kärnten und langjähriges IPA-Mitglied. Dieser Satz und diese Begegnung ließen ihn nicht mehr los, und es war die Initialzündung, privat eine Initiative für die opferschutzorientierte Täterarbeit zu gründen. Die Beratungsstelle „Man(n)agement“ richtet sich mit seiner opferschutzorientierten Täterarbeit an gewalttätige Männer ab dem 18. Lebensjahr, welche Mut für ein Leben ohne Gewalt machen will bzw. helfen soll, sich aus dem Gewaltkreislauf heraus zu entwickeln.

Vernetzung und Kooperation begünstigen den Erfolg!

Mit „Man(n)agement“ füllt Tripolt eine Lücke in der opferschutzorientierten Täterarbeit. Herkömmliche Männerberatungen umfassen ein viel breiteres Spektrum, und die Bewährungshilfe greift erst nach einer Verurteilung. „Die Männer kommen freiwillig“, betont Tripolt. Meist steht ein Telefonat am Beginn zu einem gewaltfreien Leben. Und oft hat Tripolt schon den Satz gehört: „So hat noch nie jemand mit mir geredet.“ Denn die Täter sehen das Problem und die Gefahr, dass sie durch ihr Verhalten ihre Partner, Familie und Freunde verlieren können. Doch auch sie sind in einem Teufelskreis gefangen.

Im Austausch mit den Kooperationspartnern, wie dem Gewaltschutzzentrum, den vier Frauenhäusern in Kärnten, der LPD Kärnten sowie anderen Opferschutzeinrichtungen, wird mit den Tätern gearbeitet, damit Frauen und Kinder von häuslicher Gewalt verschont bleiben. „Der Polizei bleibt meist nur ein 14-tägiges Betretungsverbot als Mittel“, erzählt Tripolt, der Fortbildungsverantwortlicher in Sachen Kriminalprävention bei der Polizei ist, aus der Praxis. „Doch die Frau ist damit nicht am sicheren Terrain. In 14 Tagen verändert sich nichts.“ Wie massiv das Thema ist, zeigt ein Blick auf die Statistik: Jeden Tag wird in Kärnten ein Betretungsverbot gegenüber gewalttätigen Männern ausgesprochen.

„Gewalt ist erlernt – Gewalt kann daher verlernt werden!“

„Gewalt ist eine erlernte Ressource. Niemand kommt gewaltbereit zur Welt“, sagt Tripolt, der sich seit 20 Jahren intensiv mit dieser Thematik befasst. Mit dem Trainingsprogramm, Motivation und Disziplin können die Verhaltensmuster verändert werden. „Es braucht den Anstoß zur Verantwortungsübernahme“, erklärt Tripolt. In offen strukturierten Gruppen wird immer im Mann- und Frau-Duo mit den Männern gearbeitet. Zum multiprofessionellen Expertenteam der Beratungsstelle gehören Juristen, Psychologen, Sozialpädagogen, Gewaltberater und weitere Professionisten. Er selbst hat im zweiten Bildungsweg die Studien für Erziehungs- und Bildungswissenschaft sowie für Sozial- und Integrationspädagogik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt abgeschlossen. „Jeder einzelne Mann, dem wir helfen können ist ein Gewinn“, sagt Tripolt. Er ist überzeugt: „Wir müssen erst ´richtige´ Männer werden – nämlich: empathisch, feinfühlig und mit der Courage, für betroffene Männer Vorbilder ohne Gewalt zu sein!“ Bereits im November 2015 erlangte Tripolt für die Konzeption den Gesundheitspreis (2. Platz) der Landeshauptstadt Klagenfurt. Im April 2017 wurde er unter anderem für dieses Engagement als „Polizist des Jahres“ (2016) seitens der LPD Kärnten geehrt.

Die IPA Österreich gratuliert ganz herzlich! IPA-Freund Rainer Tripolt hat auch schon bei Seminaren der IPAkademie referiert.

Rainer Tripolt