Die Tsunami Katastrophe in Südostasien

IPA Mitglieder im österreichischen DVI-Team

Seit Tagen halten sie sich in Phuket /Thailand auf, österreichische Exekutivbeamte als Mitglieder des DVI-Teams (DVI = Desaster Victims Identification, Opferidentifizierung bei Großkatastrophen). Am 3.1.2005 konnte ich mit zwei IPA Mitgliedern telefonisch Kontakt aufnehmen. Sie halfen mir eine verschollene österreichische Leiche wieder zu finden.

„Süßlicher Leichengeruch liegt überall in der Luft, und es ist heiß, 35 Grad“, sagt Peter. Den Tag verbringt er mit seinem Kollegen Philipp im Chaos, das der Tsunami hinterlassen hat. Überall Berge von Leichen. Die Identifizierungen werden wie am Fließband durchgeführt. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit und gegen die Maden, das Ungeziefer, den Verwesungsprozess, der bei derart hohen Temperaturen rasant fortschreitet.

Mittlerweile funktioniert die Kühlung der Toten, die in Plastiksäcken, so genannten Leichensäcken, in mit Trockeneis befüllten Containern gelagert werden. „40, 50 Leichen sind in so einem Container aufgestapelt. Alle nummeriert. Die muss man dann durchsuchen, wie in deinem Fall, um fündig zu werden. Der österreichische Konsul, ein gelernter Polizist, hilft selbst mit, wenn es nötig ist“. Peter lobt die Hilfsbereitschaft der Menschen und die gute Zusammenarbeit mit den einheimischen Behörden. Trotzdem muss alles seine Richtigkeit haben.

Ist ein Toter erst mal identifiziert und für den Rücktransport bereit, schlägt die Bürokratie zu. Die thailändischen Behörden verlangen eine Bestätigung der Identifizierung, eine Note der Botschaft und eine Bestätigung der Polizei. Erst ab diesem Zeitpunkt kann der Leichnam von einem Bestatter übernommen und in einen entsprechenden Zinksarg gegeben werden.

Philipp betont „wir reagieren auf jede Behördenanfrage aus Österreich so schnell wie möglich. Schließlich können wir uns vorstellen, wie es den Angehörigen zu Hause geht.“ Aber wie geht es den Beamten vorort? Danach fragt sie niemand. Noch nicht. Und selbst antworten sie auf meine Frage nur kurz und lapidar „geht schon“. Sie haben auch wenig Zeit zum Nachdenken. Das letzte Telefonat führen wir um 23.30 Uhr Ortszeit. Dann geht es hoffentlich bald ins Hotel. Schreibkram, e-Mails erledigen. Die Unterkunft ist ausgezeichnet. „Das brauchen wir auch“ merkt Peter an. Und wenn der Tag graut, dann gehen sie wieder hinaus ins Chaos, das der Tsunami hinterlassen hat, und das nicht weniger zu werden scheint. Wie lange sie noch bleiben? Sie wissen es nicht.

© Klaus HERBERT 2005

"Inhaltslisten" an der Containertüre. Jeder Tote erhält eine Identifikatinsnummer.
Militär wacht an den mit Trockeneis und Desinfektionsmittel gefüllten Leichencontainern.
Identifizierung unter Sonnenschutzdächern im Freien.


Stellungnahme und Information des Internationalen Generalsekretärs der IPA zum Thema Tsunami und zu Schaden gekommene IPA Mitglieder und Angehörige:

Dear Friends,

The PEB has discussed the recent events in Asia, following the devastation caused by the Earthquake / Tsunami. We know there have been IPA and police victims but, at the moment, we do not have sufficient details of each individual. In this I refer you to my e-mail dated 28 December, requesting information from Sections about any known victims.

Apart from the police officers in Sri Lanka, mentioned in the email from Section Sri Lanka, dated 31 December 2004, we are now aware of IPA members and police officers from countries outside the disaster area, who were on holiday in the region and who have suffered loss of family members and/or personal injury.

At the same time, over the last few days, many Sections have addressed me to ask what can be done to help IPA members or other police officers affected by the disaster.

In view of this, the PEB has decided to launch an official IPA Tsunami Disaster Appeal without any further delay. This means we will be collecting donations whilst, at the same time, collating information about those affected. This will save an enormous amount of time later. 

It is intended that the proceeds of the appeal will be distributed in the following order of priority:

 

  • affected IPA members,
  • affected police officers,
  • aid agencies.

Monies will only move down this priority list after the first item has been exhausted, meaning the main priority will be IPA members followed by other police officers.

 

I thank you in advance for your generosity.

Yours in friendship, John Waumsley, International Secretary General.

Liebe Freunde,

der PEB hat die jüngsten Entwicklungen in Asien nach dem verheerenden Erdbeben / Tsunami erörtert. Wir wissen, dass unter den Opfern auch IPA-Mitglieder und Polizeibeamte sind, haben aber derzeit noch keine ausreichenden Angaben zu den betroffenen Personen. Diesbezüglich verweise ich auf meine E-Mail vom 28. Dezember, in der ich die Sektionen um Informationen zu ihnen bekannten Opfern gebeten habe.

Neben den Polizeibeamten aus Sri Lanka, über die wir per E-Mail von der Sektion Sri Lanka vom 31. Dezember 2004unterrichtet wurden, wissen wir nun von IPA-Mitgliedern und Polizeibeamten aus Ländern außerhalb des Katastrophengebiets, die im Urlaub in der Region waren und dort Angehörige verloren haben und/oder selbst verletzt wurden.

Außerdem sind in den vergangenen Tagen zahlreiche Anfragen von Sektionen bei mir eingegangen, wie man betroffenen IPA-Mitgliedern bzw. anderen Polizeibeamten helfen könne.

Daher hat der PEB beschlossen, umgehend einen offiziellen IPA-Spendenaufruf für die Opfer des Tsunamis zu starten. Wir werden also Spenden und gleichzeitig Informationen über Betroffene sammeln. Dadurch sparen wir später viel Zeit.

Der Erlös des Spendenaufrufs soll in folgender Reihenfolge verteilt werden:

 

  • betroffene IPA-Mitglieder,
  • betroffene Polizeibeamte,
  • Hilfsorganisationen.

Erst wenn allen Betroffenen unter Punkt eins geholfen wurde, fließen Gelder an die Betroffenen unter den folgenden Punkten dieser Liste. Das heißt, vorrangig helfen wir IPA-Mitgliedern, gefolgt von anderen Polizeibeamten.

Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre großzügige Hilfe.

In Freundschaft John Waumsley Internationaler Generalsekretär

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