TETRA Kontakte aus der Westentasche |
Von Klaus HERBERT © 1997 Es fällt nicht schwer, eine Generation zurückzudenken, als die unhandlichen SE 18 Funkgeräte, die kein Gendarm freiwillig durch die Gegend schleppen wollte, so nach und nach aus dem Dienst verbannt wurden. Handliche FUGE 10 eroberten die Gendarmerieposten. Das leidige Transportproblem gehörte ein für allemal der Vergangenheit an. Und doch hörte man so manchen alten Inspektor sagen: "Früher, das waren noch Zeiten, da war man nicht immer erreichbar." Es war auch die Zeit, aus der ein großer Teil des heute noch benützten Gendarmerie Funknetzes stammt. Doch ohne Investitionen sind seine Tage bald gezählt. Ein dreistelliger Millionenbetrag wird nötig sein, um nur die dringendsten Instandsetzungen abzudecken. Das ist aber genau der Zeitpunkt sich schlau zu machen, was der Markt an zeitgemäßen Kommunikationseinrichtungen bietet. TETRA Der zeitgemäße Bündelfunk Trans European Trunked Radio kurz TETRA genannt, setzt für die Polizeiarbeit in der EU neue Maßstäbe. Handlungsbedarf ist ohne Zweifel gegeben. Innovation ist gefragt. Systeme sollen gefunden werden, die allen Anforderungen einer modernen Gendarmerie entsprechen. Und das Schöne ist, es gibt sie bereits. Denn auch Feuerwehren, Rettungsdienste, Sicherheitsdienste und andere Organisationen müssen mit der Zeit gehen. Funken bald einfacher als telefonieren? Der Gendarm ist zwar hoch spezialisiert und meist vielseitig versiert; dennoch soll er einfache Technik in die Hand bekommen. Bequemlichkeit stuft heutige Handfunkgeräte als zu groß und einseitig ein. Kommunikation aus der Westentasche ist gefragt. Technisches Wissen ist sekundär, die Bedienung simpel. Was ein Handy zu leisten vermag, sollte ein Gendarmeriefunkgerät doch mindestens können. Ist das die Möglichkeit? Nun, ein Blick in die Unterlagen bereits laufender Projekte gibt die Antwort: Sprechen hören schreiben lesen. Vergleicht man das Netz der Jahrtausendwende mit dem heutigen, so stehen (bildlich gesprochen) statt 40 Kanälen 800 zur Verfügung. Sie können nicht nur für Funkgespräche benützt werden, sondern auch zur Datenübertragung und zum Führen von Telefongesprächen. Keine Frage, daß gleichzeitig auch Bilder übermittelt werden können, und das alles mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von maximal 28.800bps. Die Suche nach freien Funkkanälen gehört dann endlich der Vergangenheit an. Verbindungen erstellt der Anwender von Einzel- zu Einzelgerät oder von Einzel- zu Gruppengeräten. Das funktioniert wie telefonieren, nur einfacher und schneller. Eine benutzerfreundliche Drehknopfbedienung läßt den Beamten auch ohne Sicht zum Gerät seine Sprechgruppe (das ist zum Beispiel sein BGK) finden. Weitere Gruppen werden nach dem Bedarf des Einzelnen freigeschaltet. Notruf und Notfallgespräche sind Novitäten von noch unschätzbarem Wert. Ein integriertes Telefonbuch oder menügesteuerte Eingaben für Spezialaufgaben verstehen sich von selbst. Suchen und Finden Doch wo finde ich meinen Kollegen? Hält sich ein Beamter des Gendarmeriepostens Alberschwende zur Zeit des an ihn gerichteten Funkgespräches in Zwettl auf, dann hilft ROAMING über die Runden. Das Netz stellt selbständig den Standort des Gerätes fest und übermittelt den Funkspruch "punktgenau". Das Gespräch wird sozusagen nachgereicht. Aber wer hilft mir im fremden Gebiet? Man stelle sich vor, der Gendarm ist auf Observation und kommt von St. Pölten ins Zillertal. Wie soll er einen Ansprechpartner finden? Ganz einfach: er wird am Drehknopf die Suchgruppe einschalten und schon hat er ohne einen Funknamen oder gar seinen exakten Standort zu wissen, genau die Sprechgruppe am Ohr, die er braucht. Ist das finanzierbar, tragbar, machbar? Keine Frage, geschenkt gibt es die Technik nicht. Doch verschiedene Anbieter für die Endgeräte bewirken auch eine vernünftige Preisgestaltung, die mit den Kosten für derzeit verwendete Funkgeräte mithalten kann. Tragbar sind die Geräte mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm samt Akku auf jeden Fall. Ihre Größe liegt nicht auf sondern eher in der Hand. Und was da alles drinnen steckt, man höre und staune: Das Grundgerät ist am ehesten mit einem GSM Telefon zu vergleichen. Die Anschlüsse sind staub- und wasserdicht. Für Spezialanwendungen sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt abgesetzte Handmikrophone, externe Antennen, Helmeinbauten oder Induktoren für die verdeckte Trageweise, einen Datenterminal über eine serielle Schnittstelle. Beim Autoeinbausatz kann man variieren zwischen fix installierten KFZ-Geräten oder KFZ-Halterungen für das eigene Funkgerät selbstverständlich mit Freisprecheinrichtung. Der Gürtelclip rundet die Vielfalt der Trageweisen ab. Schnittstellen über die Leitzentralen führen zu analogen oder anderen digitalen Funksystemen. Unbefugtes Abhören eine Gefahr? Sicherheit steht an erster Stelle. Natürlich wird jedes Gespräch verschlüsselt und so vor illegalen Mithörern geschützt. Darüber hinaus gibt es noch gruppenspezifische Verschlüsselungen. Gerätekennungen ändern sich laufend und können von Unbefugten nicht verfolgt werden. Der Anwender braucht sich um nichts zu kümmern. Er sendet und empfängt wie schon immer, den Rest erledigt das Netz für ihn. Denn nicht das Gerät, wie bisher, sondern das Netz steuert den Funkbetrieb. So wird Funken zum Vergnügen und nicht zur Last. Neuerungen und Änderungen werden über Personal Computer programmiert; der Schraubenzieher gehört praktisch der Vergangenheit an. Die Zukunft hat begonnen In Finnland werden erste Netzbereiche schon 1998 eröffnet. Die niederländische Polizei hat schon eine Basisstation als Pilotprojekt in Betrieb genommen. Kommunikation mit Feuerwehr oder Rettung, Zugang zu Datenbasen oder Abfragen von Datenbanken, all das wird jetzt möglich. Mehrere voneinander unabhängige Organisationen können sich innerhalb des TETRA Systems desselben Netzwerkes bedienen, als verfüge jede einzelne Einheit über ein eigenes. Das spart Kosten. TETRA ist besser als GSM. Es hat extrem kurze Anlaufzeiten von weniger als 0,5 Sekunden, ermöglicht direkte Verbindungen und eine schnelle Datenübertragung. Je nach Berechtigung des Einzelnen wird das System praktisch an jedem Ort der EU funktionieren. Der Anwender braucht sich nur wenig darum kümmern, denn die Technik, die hinter dem System steht, arbeitet für ihn. Da verhältnismäßig mehr gefunkt als geschossen wird, jeder Gendarm aber eine persönlich zugewiesene Dienstwaffe hat, wird sich der Dienstgeber bestimmt Gedanken machen über das maßgeschneiderte, persönlich zugewiesene Funkgerät im Europäischen Bündelfunksystem TETRA. Ob es im nächsten Jahrtausend noch einen "Inspektor" geben wird, der so wie damals an früher denkt man kann es sich kaum vorstellen. Alle Rechte vorbehalten. Kopieren oder vervielfältigen nur mit Quellenangabe. ©by kh 97 |
Disigned by CHIP © 1997