ORGANISERTE KRIMINALITÄT "Wie Syndikate dem Staat das Wasser abgraben." |
Von Klaus HERBERT OK ist wie das Ozonloch: Man hört sie nicht, man sieht sie nicht; doch wenn man sie spürt, ist es schon zu spät. Erst eine offene Gesellschaft mit modernen Strukturen machte Organisierte Kriminalität (OK) so richtig möglich. Zu reagieren vermochten die Syndikate wieder einmal schneller als die Politik. Was die EU anbelangt, so findet man vor allem die Italienische OK, die Italienische OK in Deutschland, die Triaden, die Yakuza und die Rote Mafia. Diese bestens organisierten Gruppen befassen sich mit Suchtgifthandel, internationaler KFZ-Verschiebung, Frauen- und Mädchenhandel, Schutzgelderpressung und Geldwäsche. Da eine EU-einheitliche, vor allem aber harmonische und vernünftige Gesetzgebung noch fehlt, breitet sich die OK mit rasender Geschwindigkeit über die Länder aus. Das Rotlichtmilieu ist Ausgangspunkt für viele Arten der OK: illegale Geldinvestitionen in legale und illegale Unternehmen, Sponsoring im Sport, hohe Investitionsbereitschaft. Allein der Abfluß aus der Wirtschaftskriminalität ist so groß, daß er Einnahmen aus Mineralölsteuer und Maut übertrifft. Und der Anfang des Übels ist die Korruption. Als Sicherheitsexekutive sind wir auf der Verliererstraße; wir jagen nur den Kleinsten hinterher, anstatt uns auf die Großen zu konzentrieren. Doch die Kosten explodieren durch Observationen, Vertrauenspersonen, Telefonüberwachungen und Dolmetschergebühren. Da kommt schon mal Frust auf. Polizeiarbeit muß aber Spaß machen und finanziell stimmen, sonst sind der Korruption Tür und Tor geöffnet. OK ist nicht in Münster, Basel oder Wien, OK ist international. Wer das nicht begreift, der sitzt im falschen Dampfer. OK wird von jedem anständigen Bürger mitbezahlt in Form von Preiserhöhungen, beim Hausbau oder Versicherungsprämien. Arbeitgeber OK Die Mafia in Rußland erhält die Wirtschaft am Leben. Sie kontrolliert den Lebensmittelhandel, den Rohstoffhandel (95% des Aluminiummarktes), das Militär und 80% der Banken. Etwa 25 % der 500.000 Delikte, die in Österreich anfallen, sind OK. Schon in den Sechziger Jahren gab es den "Wiener Kreis", der sich mit der Unterwelt beschäftigte, die sich von Wien über München, Düsseldorf und Köln bis nach Hamburg ausdehnte. Niemand dachte damals an OK. Heute suchen wir geeignete Definitionen und übersehen dabei, wie uns die OK mit einem schmierigen Netz aus Gewalt und Korruption überzieht. OK ist nicht stabil, sondern immer in Bewegung, auf der Suche nach neuen Märkten. Spionage ist ein wichtiges Hilfsmittel. So nutzen die Kartelle ehemalige und jetzt arbeitslose KGB-Mitglieder, aber auch aktive Nachrichtendienste. Die Bekämpfung organisierter Kriminalität scheint politisch nicht gewollt zu sein. So fehlen Beweislastumkehr und konsequente Wertabschöpfung. Es ist nicht hinnehmbar zuzusehen, wie Leute aus der Verbrecherwelt durch finanzielle Mittel und Beziehungen Einfluß nehmen auf Kultur, Wirtschaft und Politik, doch das geschieht bereits. Wir werden die Auswirkungen der OK vielleicht noch aushalten, was aber kommt auf unsere Kinder zu? Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. Auch in Zukunft werden wir problemlos in der Lage sein Parksünder und Kleinkriminelle ihrer Straftaten erfolgreich zu überführen. Bis jedoch unsere Gesetzgeber den Ernst der Lage erfaßt haben werden, und bis die Exekutive dann reagieren kann, könnte es zu spät sein. Eines ist sicher: bis dorthin wird die OK in unserer Gesellschaft tief verwurzelt sein und der Volkswirtschaft einen immensen Schaden zugefügt haben. Menschen, deren geistiger Horizont nur von Wahl zu Wahl oder Beförderung zu Beförderung reicht, werden keine Entspannung schaffen. |
Disigned by CHIP © 1997