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Indian Tribal Police |
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von
Richard Benda Bevor
der weiße Mann Amerika eroberte, kamen die Ureinwohner, die Indianer, ohne
Polizei aus. Kriminalität in unserem Sinn gab es ja nicht und bei einer
Verfehlung gegen Stammesgesetze war jedes Mitglied aufgerufen zur Aufklärung
beizutragen. Mit den fragwürdigen Segnungen der Zivilisation brachten die weißen
Eroberer auch Alkohol und Kriminalität. „Zivilisationskrankheiten" die
den Indianern noch heute schwer zu schaffen machen. Stellen
Sie sich vor. Sie fahren mit Ihrem Auto durch die USA und werden von einem
Polizisten angehalten. Würde es Sie nicht wundem, wenn sich der Polizist als
Angehöriger einer unabhängigen Nation bezeichnet? Der Fall ist keineswegs unmöglich.
Sie befinden sich dann im Gebiet eines der 244 Indianerreservate, formell einer
„Independent Nation". Vor allem im Südwesten der USA, in den Staaten
Nevada, Utah und Arizona ist die Chance sehr groß, dass Sie, ohne es zu merken,
die Straßen eines Reservates befahren. Nicht überall sind Hinweistafeln
angebracht. Viele der Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel das Monument Valley,
liegen mitten im Navajo Reservat und wer die Spielerstadt Reno betritt, befindet
sich genau genommen im Gebiet des Reno-Sparks Tribal Police Departments, also
auf einem Indianerterritorium. Als
„normaler" Tourist werden Sie kaum den Unterschied zwischen einem
Indianerreservat und einem Staatsterritorium bemerken. Die Hoffnung einen
federbeschmückten Indianer zu sehen, ergibt sich höchstens bei einem Pow-Wow,
dem indianischen Gegenstück eines Schuhplattlerabends in den Bayerisch-Tiroler
Alpen. Am ehesten bemerkt man den Unterschied daran, dass sie in einem Reservat
keinen Alkohol, nicht einmal Bier, zu kaufen bekommen. Und
bei der Polizei? Gibt es hier Unterschiede zu den Gesetzeshütern außerhalb
eines Reservates? Augenscheinlich nicht, Streifenwagen und Uniformen gleichen
sich völlig. Die Unterschiede sind nur in der Vollziehung der Gesetze
erkennbar. Am Beispiel der RENO-SPARKS
TRIBAL COLONIE, das
ich nach dem lEC-Kongress in Reno/Nevada besuchte, kann man Leben und
Polizeiarbeit im Indianerland vielleicht am besten erklären. Im Bereich des
Staates Nevada befinden sich 16 Reservate und 8 Kolonien. Der Unterschied der
beiden Begriffe liegt darin, dass in einem Reservat Angehörige eines Stammes
leben, während in einer Kolonie die ethnische Bevölkerung gemischt ist. So
leben in der Kolonie um Reno Paiute, Shoshone und Washo. Die Bevölkerungsmehrheit
stellen die Paiute. Im Vergleich zu anderen Reservaten ist der Lebensstandard in
der Kolonie relativ hoch, obwohl die Arbeitslosigkeit bis zu 60 % beträgt. Die
nahe Stadt Reno bietet, im Gegensatz zu den sonst weitab der Zivilisation
gelegenen Reservaten, Arbeit. Haupteinnahmequelle des Reservates ist aber der
Verkauf von Zigaretten. Da die Steuer im Reservat weit geringer ist, nützen vor
allem die Menschen aus Kalifornien einen Besuch im Reservat für einen
Zigarettenkauf. Eine weitere Einnahmequelle stellt die Pferdezucht dar. In
manchen Reservaten ist die Pferde- und Rinderzucht die einzige Einnahmequelle
der Reservatsbewohner. Gesetzgebende und auch vollziehende Kraft in der Kolonie
ist das Tribal Councii, das von allen Bewohnern gewählt wird. Ein Tribal Court
straft die indianischen Gesetzesbrecher ab, während Weiße an das Federal
District Court nach Reno gebracht werden. Die Kriminalität innerhalb der
Kolonie ist geringer als im umgebenden Land der Weißen. Mehr als 50 % der
Delikte im Reservat werden auch von Weißen begangen. Zwischen den einzelnen
Volksgruppen gibt es keinerlei Probleme und häufig ist auch gar nicht mehr ganz
klar nachzuvollziehen, wer welchem Stamm angehört. Obwohl die einzelnen Stämme
eigene Sprachen haben, ist auch dadurch die Stammeszugehörigkeit kaum
feststellbar. Von den etwa 3.000 in der Kolonie lebenden Indianern sprechen kaum
noch 100 ihre ursprüngliche Stammessprache. Aus dieser Tatsache heraus, wird es
von den Polizisten auch nicht gefordert eine Stammessprache zu beherrschen.
Grundsätzlich dürfen auch Weiße in Reservaten und Kolonien leben, nur Grund
und Boden dürfen sie nicht besitzen. Üblicherweise leben aber in den
Reservaten nur die Inhaber von Trading Posts oder die EhegattInnen von
Indianern. Eine gewisse Ausnahme ist die Navajo Reservation, die größte
Reservation im Süden der USA. Auf Grund der Größe (70.875 km2 und damit so
groß wie Irland) und Einwohnerzahl (ca. 300.000) gibt es in der Reservation
drei Städte und dadurch auch eine weiße Minderheit. Die
Reno-Sparks- Tribal-Police Die
Polizei in der Kolonie besteht aus 22 Mann, wovon 7 Weiße sind. Die Truppe wird
von einem „Chief of Police" geleitet, der wieder von 3 Sergants unterstützt
wird. Einer dieser Sergants ist der Administrator, der sozusagen den Papierkram
erledigt. Einer der 18 Officers arbeitet also CIO, also als Kriminalbeamter.
Vermutlich eine Formalsache, denn natürlich sind alle Polizisten des Reservates
bestens bekannt. Die Beamten machen auf drei Stationen Dienst. Ein gewisses
Problem für die Polizisten in Reno-Sparks ist die Tatsache, dass die Kolonie
kein einheitliches Gebiet bildet, sondern innerhalb des Washoe-Countys in
mehrere Teile zerrissen ist. Natürlich dürfen Polizisten der Tribal Police nur
innerhalb der Reservation einschreiten, „weiße" Gebiete dürfen sie nur
durchfahren. Im Gegensatz dazu, dürfen Polizisten des Staates, des Countys und
der Stadt sehr wohl in der Reservation amtshandeln, aber nur gegen Weiße und
nur über Anforderung. Die
Zusammenarbeit, so betonen aber alle, sei dennoch reibungslos. Aus Personalgründen
wird auch häufig mit dem Beamten der nahegelegenen Reservation der Paiute (Pyramid
Lake Pieute Tribal Reservation) und der Washo-DressIerville-Colony
zusammengearbeitet. Trotz gegenseitiger Hilfestellung muss die Mehrheit der
Amtshandlungen von einem Polizisten alleine durchgeführt werden. An Delikten
findet man in der Reservation vorwiegend jene der Kleinkriminalität. Wann der
letzte Mord begangen wurde, ist nicht mehr erinnerlich. Lediglich ein Raubüberfall
auf ein Geschäft fand im letzten Jahr statt und auch dieser wurde von Weißen
verübt. Sexualdelikte und Gangkriminalität werden als die Hauptdelikte der
Indianer genannt. Vor allem die Gangkriminalität, die sich wieder durch
Drogenkonsum, Sachbeschädigung (vor allem in Form von Graffitis) und
Alkoholismus zeigt, bereitet den Beamten Sorge. Für einen jungen Burschen ab 12
ist es kaum mehr möglich nicht einer Gang anzugehören. Neben
den allgemeinen Gesetzen müssen die Beamten auch Stammes- und
Reservationsgesetze durchsetzen. Hier ist vor allem der Alkoholmissbrauch zu
nennen. So positiv sich die Stadt Reno auf den Arbeitsmarkt auswirkt, so leicht
macht sie es, Alkohol in das „trockene" Reservat zu schaffen. Wer mit
Alkohol angetroffen wird, kann mit 100 US-Dollar Strafe rechnen. Sollte
die Person auch noch alkoholisiert sein, so wird sie bis zur völligen Ausnüchterung
in Haft genommen. Übrigens,
Gefängnis gibt es in der Reservation keines. Häftlinge werden in das
Distriktsgefängnis (County Jail) nach Reno gebracht |
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