ChEckiT - High Tech gegen Drogen

Nichts verändert sich schneller als die Drogenszene. Synthetische Drogen, vor einigen Jahren noch eine unbekannte Größe, haben die Szene erobert und sind dabei völlig neue Schichten von Konsumenten in ihren Bann zu ziehen. Die Gemeinde Wien hat über den Trägerverein Wiener Sozialprojekte ein nachahmenswertes Projekt aufgezogen, um an die Konsumenten von Speed und Ecstasy heranzukommen. Durch das wissenschaftliche Pilotprojekt ist es erstmalig gelungen Informationen über Konsumenten, Konsumverhalten und Inhaltsstoffe zu erlangen. Durch Aufklarung vor Ort wird der Mythos Ecstasy auf das reduziert was es ist - eine gesundheitsschädliche Droge.

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann muss der Berg zum Propheten gehen, heißt es. In Sachen Suchtprävention bedeutet das, die Schwellenangst ( eine der klassischen Präventionsstellen aufzusuchen, überwinden nur die wenigsten Konsumenten. ChEckiT hat daher den Weg gewählt dort zu agieren, wo potentielle Kunden zusammenkommen und auch die pharmazeutischen Muntermacher einwerfen*. Man ging deshalb zu Rave-Partys, wo 20-70% der Teilnehmer Pillen einnehmen.

Anonym können die Käufer ihre Pillen überprüfen lassen. Sie werden gewogen, fotografiert und in einem Test mit einem Flüssigkeitschromatographen die Inhaltsstoffe ermittelt. Durch Aushängen der Ergebnisse auf einer Pinwand kann der Käufer noch vor dem Konsum feststellen, ob ihm nicht lebensgefährliche oder zumindest unbekannte Stoffe angedreht wurden. Da die Ergebnisse nur mit Nummerncodes veröffentlicht werden, kann der Test nicht als „Gütesiegel" verwendet werden. Schon zweimal wurden durch die Tests das direkt lebensbedrohende PMA (Paramethoxy-Amphetamin) in verkauften Pillen festgestellt und so vermutlich ein Menschenleben gerettet. Im Umfeld versuchen Sozialarbeiter und Psychologen Kontakt mit den Konsumenten aufzunehmen. Natürlich kann man durch diese Methode die Konsumenten nicht direkt und sofort vom Konsum abhalten, aber durch das persönliche Gespräch bei der Vornahme des Tests, durch das augenscheinliche Ergebnis und durch anwesende Sozialhelfer, wird doch sicher der eine oder andere Konsument zu überlegen anfangen. Dass die meisten Konsumenten von Ecstasy und Co intelligent genug sind die Problematik zu erfassen, zeigt ihre Schulbildung. Wie überhaupt der Durchschnittskonsument von synthetischen Drogen nicht dem üblichen Bild eines Junkies** entspricht.

Bei dem seit 1997 laufenden Projekt und den seither geführten rund 1.000 Tests und etwa drei bis viermal so vielen Einzelgesprächen konnte ein klares Bild des Konsumenten entworfen werden. Ecstasy und Speedkonsumenten sind 

*) Schüler oder Berufstätige, vor allem Lehrlinge (85 %),

*) Wohnen bei Eltern oder Verwandten (75 %)

*) und in einer Stadt (61 %)

*) die Mehrheit bei großen Wiener Veranstaltungen kommt aus den Bundesländern (59 %)

*) Sie sind zwischen 14 und 19 Jahren (Durchschnitt 18,5 Jahre)

*) Die Arbeitslosenquote liegt unter dem Durchschnitt (4,6 %)

*) Neben den Designerdrogen nehmen sie Alkohol (98 %) und sind Raucher (94 %)

*) mit Haschisch hatten 97 % Kontakt

*) 30 % hatten mit Kokain Kontakt und nur 10% mit Heroin oder klassischen Opiaten.

*) 75 % konsumieren die Droge in der Gruppe Auch die Verkäufer sind nicht dunkle Gestalten, sondern sind Freunde (45 bzw. 41%) oder zumindest Bekannte (45 bzw. 43%).

Mit derartigen und natürlich noch weitergehenden Informationen ist es möglich gezielt weitere Prävention anzusetzen. Etwa 80.000,- Schilling lässt sich die Gemeinde Wien jeden Einsatz des ChEkiT Teams, das aus bis zu 19 Personen besteht, kosten. Vor allem den Chemikern des Labors des AKH kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Sie müssen zwischen 21.00 und 06.00 Uhr etwa 70-100 chemische Analysen erstellen. Sicher ist das Projekt von ChEkiT nur die zweitbeste Methode um unseren Nachwuchs von Drogen abzuhalten. Die beste Methode wäre den Verkauf gänzlich zu stoppen - nur das hat noch in keinem Land geklappt

Richard Benda

 * Einwerfen = Szenebezeichnung für den Konsum von Pillen

** Junkie = Konsument von Drogen

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