Sicherheit bei der Ski WM 2001 – alles im Griff?

Jedes Großereignis verlangt umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen. Veranstalter wollen kein Risiko eingehen und Besucher sollen sich sicher fühlen. Um dieses Ziel zu erreichen bedarf es umfangreicher Vorbereitungen durch das Organisationskomitee zur Koordination der Aufgaben von Sicherheitsexekutive und privaten Sicherheitsdiensten.

Die Welt der Sportsfreunde blickt nach St. Anton. Vor einer traumhaften Kulisse werden im Februar 2001 die alpinen Skiweltmeisterschaften stattfinden. Um diesen Traum nicht zum Alptraum werden zu lassen, laufen Vorbereitungen auf Hochtouren, seit der Wintersportort am Arlberg den Zuschlag von der FIS erhalten hat. Milliardenschwere Baumaßnahmen verändern den Ort seit Monaten in einem Ausmaß, dass ihn der Gelegenheitsurlauber kaum wieder erkennen wird. Den größten Eingriff stellt sicher die Verlegung der aus Kaisers Zeiten stammenden Eisenbahnstrecke dar. Dadurch wird St. Anton behinderungsfrei erreichbar. Bis jetzt führte nämlich einer der Hauptwege über die schrankengesicherten Bahnanlagen.

Die Organisation

Die Gesamtleitung der Ski WM 2001 obliegt Prof. Peter Schröcksnadel und Dr. Klaus Leistner. Karl Schranz fungiert als Direktor für Öffentlichkeitsarbeit und Sprecher des OK. Das Controlling untersteht Reinhold Zitz. In weiterer Folge ist der Tourismusverband stark eingebunden. Für einen reibungslosen Ablauf sorgen die Verantwortlichen der Gruppen Organisation, Sport und Infrastruktur.

In den Bereich Infrastruktur fallen auch die Aufgaben der Gendarmerie. Untergliedert sind sie in Verkehr, Sicherheit, Behörde und Exekutive.

Verkehr: St. Anton ist verkehrstechnisch weder mit Kitzbühel, noch mit Saalbach vergleichbar. Die Lage in einem engen Talkessel erfordert ausgeklügelte Vorbereitungen. Von Westen erschwert der gut 1800m hohe Arlbergpass den Zugang. Alternativ bietet sich der Arlberg Straßentunnel an. Von Osten erreicht man die Skiarena nur über eine Bundesstraße. Deshalb steht die Eindämmung des Verkehrs an erster Stelle. Umfangreiche Aufklärungskampagnen und Werbemaßnahmen durch das OK bieten den Besuchern günstige Kombinationen an: mit dem Zug und Shuttlebus fährt man bis zur Zielarena und erwirbt gleichzeitig mit der Fahrkarte auch die Eintrittskarte. Das spart Zeit und Nerven. Im übrigen soll die Verkehrslawine über den Arlberg so gering wie möglich gehalten werden. Über Leitsysteme reisen Autofahrer aus dem Westen durch den Straßentunnel an und können fern vom Trubel in St. Jakob parken.

Sicherheit: „Wir haben es mit einer friedlichen Veranstaltung zu tun“ sagt Sicherheitschef Obstlt. Norbert Zobel vom Landesgendarmeriekommando für Tirol. Zobel deckt mit seiner Mannschaft mehrere Bereiche ab. Er kümmert sich um besonders schützenswerte Personen, Objekte und die Sicherheit entlang der Piste. Zobel: „Hier werden ausschließlich Gendarmeriebeamte eingesetzt. Konflikte mit privater Security sind nicht zu erwarten, weil die Sicherheitsleute nur für Einlass- und Kartenkontrolle zuständig sind.“

Die Gendarmerie führt eine besondere Überwachung durch, die vom Veranstalter bezahlt werden muss. Sie deckt folgende Bereiche ab:

Verkehrsregelung zwischen Flirsch und St. Anton – Trennung von Durchzugs- und ortsbezogenem Verkehr; Parkplatzzuweisung.

Sicherheitsdienst entlang der Piste und im Zielraum – Gewährleistung der Sicherheit für die Rennläufer durch defensives Auftreten. Hier werden Gendarmen in Alpinuniform eingesetzt, weil diese bei Menschen mit einem gestörten Verhältnis zur Exekutive weniger Aggression hervorrufen als Beamte in Uniform eines Einsatzkommandos.

Örtliche Sicherheit – bei der Siegerehrung und anschließenden Partys muss für Ordnung und Ruhe gesorgt werden, um Randale zu verhindern. Diese könnte vor allem durch Alkoholexzesse entstehen.

Personen- und Objektschutz – eventuell anreisende Staatsoberhäupter müssen geschützt werden. Unterteilt werden die Personen in drei Gefährdungsstufen, wobei bei der Stufe eins nur das Gendarmerieeinsatzkommando (GEK) zum Einsatz kommt. Zum Objektschutz zählt vor allem die Absicherung technischer Einrichtungen, soweit die Betreiber hier nicht selbst durch Security vorsorgen. Nicht auszudenken, wenn Übertragungseinrichtungen zerstört würden. Die ganze WM wäre mit einem Schlag lahm gelegt.

Kriminalitätsbekämpfung – Menschenmassen bringen leider auch mehr Kriminalität. Es wird zu Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Diebstählen kommen. Einschreiten werden die zugeteilten Beamten vorort. Bearbeitet werden die Fälle aber vom Gendarmerieposten St. Anton. Er wird zur Zeit der WM personell verstärkt.

Behörde: Der Sicherheitsdirektor für Tirol und der Bezirkshauptmann von Landeck tragen die Hauptverantwortung.

Exekutive: Der stellvertretende Landesgendarmeriekommandant als Gesamteinsatzleiter und der Bezirksgendarmeriekommandant von Landeck garantieren für den Background, damit ‚an der Front‘ gute Arbeit geleistet werden kann.

Wo lauert Gefahr?

Etwa 300 Gendarmen, hauptsächlich aus Tirol, aber auch aus anderen Bundesländern werden dafür sorgen, dass zufriedene Gäste eine schöne Veranstaltung erleben können. Das Geheimnis lautet ‚ereignisbezogener Einsatz‘. Darunter ist jene Flexibilität zu verstehen, die man dann braucht, wenn Rennen verschoben oder abgesagt werden. Die publikumswirksamsten Veranstaltungen sind zweifellos der Abfahrtslauf, Super-G und Slalom der Herren. Hier wird mit jeweils bis zu 40.000 Besuchern gerechnet. Und da braucht man mehr Personal, als beim Slalomtraining der Damen.

Eine besondere Herausforderung stellt die doppelte Nutzung des Zielraumes dar. Aufgrund der Bauart ist es möglich, zugleich ein Rennen und ein Training durchzuführen. Aber: besondere Aufmerksamkeit ist geboten. Das Zauberwort des gesamten Gendarmerieeinsatzes lautet ‚Abwägung zwischen Präsenz und Zurückhaltung‘. So braucht der Veranstalter nur noch auf schönes Wetter zu hoffen. Die Gendarmerie ist auf jeden Fall gerüstet, um einen reibungslosen Ablauf der Alpinen Skiweltmeisterschaften 2001 zu gewährleisten.

(c) Klaus HERBERT

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