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Rassisten gegen Drogendealer |
| Vorurteile sind eine
beharrliche Angelegenheit und nur schwer auszumerzen. Aus Vorurteilen
erwachsen Beschuldigungen, Unterstellungen und unangemessene Reaktionen.
Die Meinung von Polizisten über Schwarzafrikaner ist eines dieser, von
Vorurteilen geprägten Verhältnisse. Die Vorurteile beruhen auf
Gegenseitigkeit, denn auch die Afrikaner sehen im Polizisten nur den
Rassisten. Aus der Perspektive dieser Vorurteile ist derzeit jeder Kontakt
zwischen Polizisten und Schwarzafrikanern ein Zusammentreffen von
Rassisten mit Drogenhändlern. Eine bemerkenswerte Initiative des
Innenministeriums soll nun den Kontakt der i beiden Kontrahenten
friktionsfreier machen.
40 % des Kokainhandels sind in der Hand von Schwarzafrikanern. Etwa 300 schwarze Drogendealer wurden 1999 in Wien dem Gericht angezeigt. Klare Sache, Schwarzafrikaner sind Drogendealer. Eine falsche Schlussfolgerung wie anlässlich eines Workshops des Bundesministeriums für Inneres festgestellt wurde. Der Initiator des Projekts, der Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit Dr. Erik Buxbaum will derartigen Schlussfolgerungen einen offenen Dialog entgegensetzen. Bis zum Dezember dieses Jahres soll aber nicht nur zwischen Schwarzafrikanern und Polizisten geredet, sondern konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Der Wiener Polizeipräsident Dr. Peter Stiedl konnte dem Vorurteil auch mit Zahlen zu Leibe rücken. So leben derzeit in Wien 3.719 Schwarzafrikaner, also schon rechnerisch bleiben die Drogendealer eine Minderheit in ihrer eigenen Rasse. Ganz davon abgesehen, dass viele der Händler nicht in Wien leben, sondern hier nur ihr kriminelles Geschäft verrichten. Wie ein Vertreter einer schwarzafrikanischen Organisation glaubhaft machte, sind Schwarze von den Drogendealern aus Afrika mehr in Mitleidenschaft gezogen als andere Bürger. Ihre Möglichkeiten auf Dealer einzuwirken sind weit mehr begrenzt als die der Polizei. Interessant ist, dass es auch unter den Betroffenen Afrikanern Vorurteile gibt. Nicht von der Polizei wird verhindert, dass Schwarzafrikaner in den Polizeidienst treten, sondern der Willige wird von seinen Landsleuten als Verräter abgestempelt. Afrikaner sind Freiwild für die Polizei tönt es von diversen Vereinigungen von Schwarzafrikanern. Während Weiße unbehelligt ihrer Wege gehen können, seien sie polizeilicher Willkür und auf jeden Fall Misshandlungen ausgesetzt. Klare Sache, Polizisten sind Rassisten. Auch hier konnte Präsident Stiedl die Sache relativieren, Gegen 331 Schwarzafrikaner wurden 1999 Amtshandlungen geführt. In 52 Fällen wurden Beschwerden gegen die einschreitenden Beamten vorgebracht. Statistisch gesehen sind die Zahlen rückläufig. Heuer wurden 35 Amtshandlungen gegen 72 Afrikaner geführt, die "nur" zu 6 Beschwerden über Aggressionshandlungen geführt haben. Nur ein einziger Misshandlungsvorwurf ging bei der BPD-Wien ein. Ein Grund zum jubeln oder sind die Zahlen unterschiedlich zu interpretieren? Soll man sich über den Rückgang der Konflikte freuen oder soll man vielleicht die Zahlen dahin deuten, dass sich die Beamten bereits scheuen gegen Schwarzafrikaner Amtshandlungen zu führen? Von Seite der Behördenvertreter wurde jedenfalls klargestellt, dass es Aufgabe der Polizei sei eine offene Drogenszene zu verhindern und entsprechende Kontrollen von Personen welcher Hautfarbe immer dazu gehörten. Das Problem ist auf jeden Fall ein gesamtgesellschaftliches. Die Polizei steht nur eben im Brennpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Lösungen kann es nur durch eine Vielzahl politischer, rechtlicher und strategischer Lösungsansätze geben. Der Polizist aus dem Wachzimmer und der Referent der Fremdenpolizei einerseits, der afrikanische Durchschnittsbürger andererseits, sollen sich auf einer sachlicheren, vorurteilsfreieren Basis begegnen, als es derzeit der Fall ist. Das Ziel ist gesteckt, die Polizeiführung ist guten Willens. Jetzt liegt es auch an den Vertretern der schwarzafrikanischen Organisationen ihre Schäfchen zu Toleranz gegenüber Polizisten zu bringen. Richard Benda |
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