Trauma und Stress im Polizeidienst

von Richard Benda

Die Behandlung von Statuten und vereinsinternen Fragen innerhalb eines Kongresses ist unvermeidlich und genaugenommen der Hauptgrund für seine Abhaltung. Da das nicht alles sein kann und auch berufliche Fortbildung ein Faktor unserer Vereinsarbeit ist, werden seit einigen Jahren auch Fachthemen behandelt. Es obliegt der ausrichtenden Sektion das Thema auszuwählen. Die Sektion Großbritannien entschied sich für das im Titel bezeichnete Thema.

Bisher wurden vor allem praxisbezogene Themen ausgewählt und so hatten die meisten Delegierten keine besonderen Erwartungen. Viel Theorie dachten die meisten, kaum praktisch verwertbar. Tatsächlich wird ja meist über dieses Thema blanke Theorie von Leuten vorgetragen, die Trauma und Stress nur aus zweiter Hand kennen.

Es waren die Vortragenden, die das Thema zu einem spannenden Programmteil des Kongresses werden ließen. Professor Dr. Alexander David, ein Traumaberater, wusste wovon er sprach. Er kannte aus seiner beruflichen Tätigkeit, wie sehr Helfer durch das Unglück anderer Menschen belastet werden. Das Gefühl der Ohnmacht belastet Polizisten und Angehörige ähnlicher Berufe, es führt zu Trauma und wird seiner Ansicht nach viel zu wenig beachtet, denn es kann dadurch zu Persönlichkeitsveränderungen kommen. Andererseits ist das Erlebnis einer Katastrophe individuell und hängt nicht von der Anzahl der beteiligten Personen ab. Ein Verkehrsunfall mit einem Verletzten ist für einen Polizisten eine Bagatelle, für die Beteiligten vielleicht aber das einschneidenste Erlebnis ihres Lebens. Polizisten haben daher auch dafür zu sorgen, dass andere Menschen bei einem traumatischen Erlebnis nicht nur physische, sondern auch psychische Hilfe bekommen. Der Polizist leistet auch hier vor Ort "Erste Hilfe ". Ein weites Feld läge hierfür Schulungen, denn gegen Trauma und Stress kann vorgebeugt werden. Noch fehlt eine Schulung über Trauma und Stress, zumindest in Österreich, auf dem Fortbildungslehrplan der Exekutive.

Der Arzt, Dr. Joel Freshwater, kennt das Thema von zwei Seiten. Als Notfallsarzt eines Rettungsflugzeuges erlebt er täglich die gleiche traumatische Situation wie Polizisten, andererseits ist er der Überlebende eines Flugzeugabsturzes. Dr. Freshwater konnte daher auch erklären, wie Unfallopfer das Einschreiten der Polizei und die Hilfe durch Rettungskräfte erleben.

Stundenlang hätte man der dritten Vortragenden, einer Krankenschwester aus Nordirland, zuhören können. Als Mitglied einer Traumahilfegruppe ist es ihre Aufgabe, den Opfern von Bombenanschlägen oder Attentaten zu helfen. In keinem anderen Land wie in Nordirland gibt es eine so große Anzahl von traumatisierten Personen. Die Kernaussage dieser Frau:

Trauma ist ein Schockerlebnis, das durch vorhandene Faktoren wie Familie, Freunde, seelische Ausgeglichenheit rascher zur Heilung kommt. Auch sie bestätigte, dass es für Polizisten unmöglich ist durch Traumata anderer Menschen nicht beeinflusst zu werden.

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