|
Die geheime Grenztruppe |
| 6.000 Frauen und
Männer bewachen Österreichs Grenze. 3.000 Grenzgendarmen, 2.000
Bundesheersoldaten, 800 Zollwache- und 200 Polizeibeamte sorgen dafür,
dass Österreich für unerwünschte Ausländer nicht zum offenen Haus
wird. Außer diesen offen agierenden Beamten gibt es noch eine Truppe, die
mehr oder weniger verdeckt und geheim arbeitet die
"Unterstützungsgruppe des Grenzdienstes der Bundesgendarmerie"
wie der ziemlich furchtbare Name heißt. Alles Wissenswerte über diese
Truppe lesen Sie im nachstehenden Bericht.
Am 1. April 1999 sah die Meidlinger Gendarmeriekaserne in Wien hohen Besuch. Innenminister Karl Schlögl stellte an diesem, für die Gendarmeriegeschichte vermutlich historischen Tag, erstmals offiziell eine neue Truppe vor - die USG oder Unterstützungsgruppe. Brigadier Ernst Strohmeyer, zwischenzeitlich zum Leiter der Gruppe B (Bundesgendarmerie) avanciert, schuf mit ihr eine neue Art einer mobilen Eingreiftruppe für den grenznahen Raum und für Transitstrecken. Es soll aber nicht durch das Autobahnnetz, sondern auch der Eisenbahnverkehr von dieser verdeckt agierenden und in Zivil arbeitenden Truppe überwacht werden. Die Bekämpfung grenzüberschreitender Straftaten wie KFZ-Verschiebung, Schlepperei, Dokumentfälschung, Ausfuhr von Diebsgut, Import von Drogen, Waffen und Sprengstoff wird als ihr Hauptaufgabengebiet definiert. Organisatorisch ist die USG dem Grenzreferat (Referat 103) des LGK für Niederösterreich angegliedert. Untergebracht ist sie in der Kaserne des Gendarmerieeinsatzkommandos (GEK) in Wr. Neustadt. Leitung und Dienstaufsicht obliegen dem Gendarmeriezentralkommando (Referat II/23/GDA). Zum Leiter wurde der aus Kärnten stammende Bezirksinspektor Otto Taupe bestellt. Bewerber gab es genug, als die neue Truppe aufgestellt wurde, doch nur 27 Gendarmen (Frauen und Männer) wurden aus den 265 Bewerbern ausgewählt. Ihnen wurde zuerst einmal eine Rückkehr zur Schulbank verordnet. Besonderes Augenmerk wurde beim folgenden zweiwöchigen Training auf das Erkennen von Schlepperfahrzeugen im dichten Urlaubsverkehr gelegt und auf das Auffinden von Suchtgiftverstecken. Wie so häufig bei neuen Truppen wurde das modernste Material und die beste Technik zugeteilt. Etwas 3 Millionen Schilling wurden in die USG investiert. Sieben getarnte Autos der oberen Mittelklasse und ein völlig unscheinbar aussehender aber mit Technik vollgestopfter Kleinbus machen die USG beweglich. So genannte Doku-Boxen die zum Erkennen von gefälschten Pässen dienen und Laptops bilden das meistgebrauchte tägliche Handwerkszeug. Für den Notfall sind die Beamten mit der Glock-Dienstpistole bewaffnet, es stehen ihnen aber auch Sturmgewehre und Schutzwesten zur Verfügung. Keine schlechte Idee, die Beamten in dieser Truppe nicht "alt" werden zu lassen. Alle 6 bzw. 12 Monate werden die Beamten von neuen Kollegen abgelöst. Es tritt dadurch ein doppelter Effekt ein. Da der Job nur für einige Zeit gemacht wird, tritt keine Routine und Abnützung ein und die abgelösten Gendarmen nehmen ihr Wissen auf ihren Heimatposten mit und können es dort weitergeben. Für Interessenten bleibt ihr Ziel damit ebenfalls nicht unerreichbar, da ja keine fixierten Plätze vergeben sind, gibt es vielleicht in einigen Monaten eine neue Chance. Natürlich findet die Truppe auch ihre Kritiker. Um die USG schlagkräftig zu halten, ist sie von jedem administrativen Ballast befreit, der Traum jedes Beamten. In der Praxis heißt das: Die Beamten nehmen fest, stellen sicher und liefern den Kriminellen beim nächsten Gendarmerieposten ab. Die Freude, die Amtshandlung anderer Beamten übernehmen zu dürfen und den ganzen Wust von Berichten, Statistiken und sonstigem Allerlei für andere erledigen zu dürfen, ist natürlich nicht überwältigend groß. Vermutlich ein "MUSS", um die Truppe erfolgreich zu halten – und erfolgreich ist sie. Bei einer Zwischenbilanz im Sommer, also nach nur vier Monaten, zeigte sich die Schlagkräftigkeit. 560 Illegale und 91 Schlepper wurden gefasst. 498 Festnahmen erfolgten auf Autobahnen, 153 in Zügen. 1,5 kg. Heroin wurden in einem Cabrio versteckt gefunden ebenso 2,5 kg. Kokain. Acht Autos wurden beschlagnahmt. Mehr als 100 im SIS (Schengener Informationssystem) ausgeschriebene Verbrecher wurden gefasst und der Justiz übergeben. Wer glaubte, dass diese Erfolgsbilanz der Anfangsmonate verflachen wird, der täuschte sich. Bis Jahresende verweist man im Innenministerium auf folgende Zahlen: Aufgreifung illegaler Ausländer; Festnahme von Personen die im SIS ausgeschrieben waren; Sicherstellung von Suchtgiften; Sicherstellung von Fahrzeugen. Wollen wir hoffen, dass diese Erfolgsstory weitergeht. Richard Benda |
This site is copyright by Klaus Herbert and CHIP Design
Alle Rechte vorbehalten. Verfielfältigung nur auf Anfrage erlaubt. Alle Raubkopierer brechen die Copyright Rechte.