SUPRO für ein Leben ohne Drogen

von Klaus HERBERT

Es ist ein alter Hut, daß sich Menschen vor unliebsamen Beeinträchtigungen schützen wollen. Sie lassen sich lieber gegen Infektionen impfen, als eine mühsame Heilung in Kauf zu nehmen. Die Kleinen werden schon im Kindergartenalter über die Gefahren des Straßenverkehrs unterrichtet, denn es ist besser vorzubeugen als gebrochene Knochen zu kurieren. Nur wenn es um Suchtmittel geht, dann besteht immer noch die weitverbreitete Meinung, junge Menschen müssen Gefahren erkunden, um sie verstehen und sich vor ihnen schützen zu können. Wo der Mensch ist, ist die Sucht – nach Glück, Gewinn, Erfolg und... Drogen. Sicher sagt ein chinesisches Sprichwort "Du bist schon süchtig, bevor du die erste Pfeife rauchst" und meint damit "der eine wird’s, der andere nicht". Dennoch gibt es eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Labilen, denen man unter die Arme greifen sollte, bevor es zu spät ist.

Als Sicherheitsexekutive ist es unser Job zu ermitteln, verfolgen und anzuzeigen. Prävention ist manchmal und dann nur ganz am Rande angesiedelt. Wer einmal in die Mühlen der Kriminalität geraten ist, der muß schon ganz schön rudern, um wieder herauszukommen. Und dann noch das Unverständnis einiger Randgruppen: da geht es um die Freigabe von Cannabis – als ob wir nicht mit dem Alkohol schon genug am Hals hätten. Man spricht von kontrollierter Heroinfreigabe – eine Bankrotterklärung der Gesellschaft. Bestimmt gibt es den Punkt, an dem keine Umkehr mehr möglich ist. Aber müssen wir labile Menschen bis zu diesem Punkt sinken lassen? Strafe hin – Therapie her, einhaken muß man, bevor es beginnt, eben wie beim Impfen oder der Aufklärung über Gefahren im Straßenverkehr.

SUPRO – Werkstatt für Suchtprophylaxe

Präventionsbemühungen im Bereich Sucht und Drogen gab es in Vorarlberg bereits zu Beginn der 90er Jahre. Die meisten Projekte jedoch waren im Bereich der Sekundärprävention angesiedelt und oft eher drogenspezifisch, punktuell bzw. sehr kurzfristig ausgerichtet. Es galt daher für das Land Vorarlberg strukturelle Grundlagen für den Bereich der Primärprävention zu schaffen. Mit der Errichtung einer eigenen Stelle sollte diese fehlende Infrastruktur für die Primärprävention und Allgemeine Gesundheitsförderung, wie sie auch im Vorarlberger Drogenkonzept des Jahres 1991 festgesetzt ist, geschaffen werden.

Die Grundlagen und Ziele

Bei der primären Prävention steht die Förderung der körperlichen, sozialen und seelischen Gesundheit des Einzelnen im Vordergrund. Ein grundlegendes Ziel präventiven Handelns ist ein ausreichender Informations- und Wissensstand der Bevölkerung zu den Themen Sucht und Suchtprophylaxe. Die Maßnahmen der Prävention müssen ursachen- und kontextbezogen sein und am konkreten Alltagshandeln und den Alltagsvorstellungen anknüpfen. Dazu zählen genauso Normen und Wertvorstellungen. Weiters muß der soziale Zusammenhang miteinbezogen werden. Alle Maßnahmen sind letztlich auf Eigenverantwortung und Selbstwert des Einzelnen ausgerichtet. Prävention beinhaltet jedoch auch eine kollektive Verantwortung, in die besonders die politischen Entscheidungsträger eingebunden werden müssen.

Die Zukunft

Neben neuen Ideen und Projekten in der Prävention gilt es die bisherigen Aktivitäten kontinuierlich weiterzuführen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen vermehrt in Präventionsbemühungen eingebunden werden, um diese als Anliegen der Bevölkerung zu verankern. Die Verantwortung für das Gesundheitsbewußtsein liegt letztlich bei jedem einzelnen Menschen. Die nötigen Hilfen und die Begleitung zur Erlangung dieses gesunden, selbstverantwortlichen und von eigener Entscheidung geprägten Bewußtseins möchten wir weiterhin anbieten und bereitstellen. SUPRO - Werkstatt für Suchtprophylaxe wird auch hinkünftig diesen Weg beschreiten und ihren Beitrag im Sinne der Allgemeinen Gesundheitsförderung und Suchtvorsorge dazu leisten.

Fortsetzung der Kampagne "Kinder stark machen - stark statt süchtig"

Im Herbst 1995 startete "Kinder stark machen - stark statt süchtig", eine Kampagne zur Suchtprophylaxe, initiiert vom Land Vorarlberg und SUPRO und mit Unterstützung der Vorarlberger Nachrichten und des ORF. Ursprünglich war dieses Projekt auf den Zeitraum eines Jahres begrenzt. Während dieser Zeit fanden etliche Veranstaltungen und Vorträge zum Thema Suchtprophylaxe statt. Zahlreiche Projekte in Kindergärten, Schulen und im Jugendbereich wurden durchgeführt, Informationsmaterialien gestaltet und an die Bevölkerung verteilt. Durch alle diese Einzelmaßnahmen sowie durch eine breit angelegte mediale Präsenz wurde eine Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema Sucht und Suchtprophylaxe angestrebt und auch erreicht. Nachdem die Kampagne offiziell beendet war, wurde festgestellt, daß etliche Bausteine weiter verwendet werden sollten. Die Nachfrage in der Bevölkerung bestand weiterhin und die Maßnahmen, die im Rahmen dieser Kampagne verwendet und entwickelt worden waren, zeigten sich als effektiv und gut umsetzbar. Bei einem solchen Großprojekt wie es "Kinder stark machen" war, konnte manches erst im Laufe der Projektentwicklung im Detail ausgeführt werden. "Learning by doing" war eine der Erfahrungen für die Beteiligten an dieser Kampagne. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die aus der Durchführung dieses Projektes gewonnen werden konnten, sind von großem Wert. Es wurden neue Wege beschritten, die sich bewährt haben und die sich lohnen, daß sie fortgesetzt werden. Aus diesen Erfahrungen heraus wurde seitens der Vorarlberger Landesregierung beschlossen, die Kampagne "Kinder stark machen - stark statt süchtig" ab 1999 weiter zu betreiben. Verschiedene Bereiche (Sport, Familien, Wirtschaft, Gemeinden u.a.) sollen gezielt und verstärkt in die Kampagne miteingebunden werden. In einer der nächsten Ausgaben des SUPRO-Report wird die Fortsetzung von "Kinder stark machen - stark statt süchtig" eingehend behandelt werden.

Besuchen Sie auch die Homepage: http://www2.vol.at/mariaebene/supro/welcome.htm

Mit SUPRO erlebt man was es heißt zu leben

Im Frühjahr 1998 startete wiederum der expression-Jugendkunstwettbewerb. Die Zahl von 278 Einsendungen von Texten, Bildern, Skulpturen, Installationen und Musikbeiträgen zeigt das große Interesse für diese Aktion. Allen TeilnehmerInnen an diesem Wettbewerb wurde die Möglichkeit geboten, am expression-Kunstcamp 98 in der Mehrerau teilzunehmen. Durch die Unterstützung von Vorarlberger Landesregierung, Stadt Bregenz, Bregenzer Festspiele, den Vorarlberger Sparkassen und zahlreichen weiteren privaten Sponsoren wurde dieses Kunstcamp ermöglicht. Am 10. August war es soweit: Nach intensiver Vorbereitung konnte der Betrieb am Camp starten. Nach dem Eintreffen der Jugendlichen am Vormittag begannen nachmittags die Workshops. Inhaltlicher Schwerpunkt der künstlerischen Arbeit war die Bearbeitung eines Theaterstücks von Arno Geiger, einem jungen Vorarlberger Schriftsteller. Er hatte das Stück "Der große Ausverkauf" eigens für diese Veranstaltung geschrieben. Neben den Workshops, die sich mit der Umsetzung des Theaterstücks befaßten, gab es eine eigene Radiostation, die neben Musikbeiträgen auch die aktuellsten News über das Camp-Leben über den Äther sendete. Die Teilnehmer am expression - Kunstcamp waren in Wohngruppen eingeteilt, die von je zwei BetreuerInnen begleitet wurden. Neben dem Kennenlernen war auch soziales Lernen ein Schwerpunkt dieser Woche. In Spielen und Gesprächsrunden wurde diesbezüglich mit den Gruppen gearbeitet.

Am Dienstag waren 20 Jugendliche aus Irland zu Gast am Camp. Sie brachten die irische Küche, Kultur und Musik den Jugendlichen am Camp näher, für alle ein beeindruckender Abend. Mittwoch war ein workshopfreier Tag, an dem jedoch Programmpunkte angeboten wurden: Exkursion hinter die Bühne der Bregenzer Festspiele, Internet-chatten bei der Jugendbank, Stadtbummel durch Bregenz.

Abends luden die Bregenzer Festspiele zu einer Aufführung von Porgy & Bess, die von den Jugendlichen begeistert aufgenommen wurde. Aber auch der Ethno-Abend blieb in der Erinnerung der TeilnehmerInnen. Am Donnerstag war ein bunter Abend angesagt – jede Gruppe plante einen eigenen Programmpunkt, der dann mit viel Professionalität und Witz aufgeführt wurde. Am Freitag war ein Blues- und Disco-Abend angesagt, wobei sich einige der Jugendlichen als wahre "Traum-Tänzer" entpuppten. Am letzten Tag besuchten die Eltern der teilnehmenden Jugendlichen das Camp. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde das fertige Produkt dieser Woche präsentiert. Voller Spannung und Aufregung waren alle TeilnehmerInnen und deren Eltern im Speisesaal des Klosters Mehrerau versammelt und verfolgten die szenische Aufführung von "Der große Ausverkauf". Tosender Applaus nach einer beeindruckenden Aufführung war die Reaktion des Publikums.

 

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